Städtepartnerschaften

Bei einer Städtepartnerschaft oder auch Städtefreundschaft schließen sich zwei Städte oder auch Gemeinden zusammen, um einen Austausch ihrer Kultur und Wirtschaft zu beginnen. Weitere Themen sind Tourismus, Umweltschutz, Verkehrspolitik und Stadtentwicklung, bei denen ein Erfahrungsaustausch angestrebt wird. Es werden partnerschaftliche Beziehungen aufgebaut, mit dem Ziel die Einwohner über Grenzen hinaus zusammenzubringen. Meist gibt es in den Städten und Gemeinden eigens gegründete Vereine, die die Aktivitäten im Rahmen der Städtefreundschaft organisieren. Aktivitäten sind beispielsweise Schulaustausche oder Reisen für interessierte Einwohner zwischen den beiden Städten. Übrigens: Am letzten April-Sonntag eines Jahres wird der „Welttag der Partnerstädte“ gefeiert.

Wie finden sich zwei Partnerstädte? Oft sind es ähnlich klingende Namen wie Coburg (Deutschland) und Cobourg (Kanada) oder geographische Gleichheiten wie bei den beiden Hafenstädten Hamburg (Dtld.) und Marseille (Frankreich). Aber auch aus historischen Gründen und durch persönliche Hintergründe, z.B. nach einer Auswanderung, sind Städtefreundschaften entstanden. Daneben gibt es noch weitere Aspekte, weswegen zwei Gemeinden eine Partnerschaft aufbauen.

 

Geschichte der Städtefreundschaften

Die früheste Erwähnung einer Städtefreundschaft im weitesten Sinne stammt aus dem Jahr 836 n. Chr.: Hier wird von einer Freundschaft zwischen Le Mans (Frankreich) und Paderborn (NRW) berichtet. Offiziell wurde diese jedoch erst Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts geschlossen. Auf internationaler Ebene entstanden in den 50er Jahren vermehrt Partnerschaften zwischen Deutschland und anderen Nationen. Treibende Kraft dafür war die Gründung des „Rates der Gemeinden Europas“, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Aussöhnung und die Zusammenarbeit der europäischen Völker zum Ziel hatte.

In den 80er Jahren gab es vermehrt Partnerschaften zwischen west- und ostdeutschen Gemeinden. Die erste unter diesen wurde 1986 zwischen Saarlouis (Saarland) und Eisenhüttenstadt (Brandenburg) geschlossen. Nach dem Mauerfall 1989 unterstützten westdeutsche Gemeinden ihre Partnerstädte im Osten beim Aufbau neuer Verwaltungen und generell bei den Veränderungen in Politik und Wirtschaft. Mittlerweile gibt es mehrere tausend Städtepartnerschaften zwischen deutsch-deutschen Städten oder mit dem Ausland.

Beispiel Städtepartnerschaften – Die goldene Stadt Prag

Prag Donaupanorama © Prague Information Service

Viele Städte, insbesondere Großstädte, haben auch mehrere Partnerschaften. So auch Prag, die Hauptstadt der Tschechischen Republik. Die Stadt an der Moldau hat beispielsweise in Deutschland mehrere Städtefreundschaften, darunter mit Hamburg, Bamberg und Berlin. Prag und Hamburg haben ihre bekannten Flüsse gemein: Bei Prag fließt die Elbe, kommend aus Hamburg, in die Moldau. In der Hansestadt gibt es zudem den sog. Moldauhafen, ein Relikt aus dem Versailler Vertrag von 1919. Darin wurde das Gelände dieses Seehafens für 99 Jahre an die Tschechoslowakei, später Tschechische Republik, verpachtet. Das deutsche Bamberg hat seit 1992 offiziell eine Partnerschaft mit dem Stadtbezirk „Prag 1“, der mehrere Stadtteile wie die Altstadt oder auch den Hradschin, rund um die Prager Burg gelegen, umfasst. Regelmäßige Schüleraustausche gehören zu den partnerschaftlichen Besonderheiten von Bamberg und Prag. Während die Verbindung zu Hamburg und Bamberg Anfang der 90er Jahre urkundlich festgehalten wurde, existiert die Freundschaft mit Berlin bereits seit 1971. Nach dem Fall der Mauer in Berlin wurde die Freundschaft aus einem neuen Blickwinkel betrachtet und letztendlich 1995 symbolisch erneuert. Der Kulturaustausch beider Städte steht im Vordergrund dieser Partnerschaft, regelmäßig zelebriert durch das Festival „Prag-Berlin: Festival Tschechischer Kunst und Kultur“.

Prag – Immer eine Reise wert

Prag Aussicht auf Karlsbruecke © Czech Tourism

Die „Goldene Stadt“, wie Prag auch genannt wird, erlaubt eine Reise zurück in die Vergangenheit. Zahlreiche historische Bauten wie die steinerne Karlsbrücke, die Prager Burg mit Veitsdom oder auch die Altstadt gehören zum UNESCO Weltkulturerbe. Die gut erhaltenen Bauwerke aus Gotik und Barock prägen das Stadtbild der tschechischen Stadt und kreieren ein ganz besonderes Flair. Gastfreundschaft wird groß geschrieben, die Menschen verstehen sich als weltoffen und dennoch traditionsbewusst. Hier trifft sich die Kulturszene des Landes und ist über die Grenzen hinaus bekannt. So sind die Tschechischen Philharmoniker eines der besten Orchester in Europa. Daneben locken Musikfestivals wie der „Prager Frühling“, zahlreiche kleine wie große Theater sowie eine ausgeprägte Kneipenkultur zu einem Besuch. Den Beinamen „Goldene Stadt“ trägt Prag laut einer Deutung wegen seiner Sandsteintürme, die im Sonnenlicht golden schimmern. Eine andere Variante sagt, dass der Name von den Türmen der Prager Burg herrührt, die einst vom Kaiser Karl IV. vergoldet worden waren.